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Neubeginn und neue Ziele 1950 bis 1967

Fünf Jahre nach Kriegsende, am 7. 7. 1950, kam es zur Neugründung des Vereins. Unter der Vorstandschaft von Wilhelm Dinges (bis 1954) und Josef Schloder (ab 1954) trat der Konzertverein in eine deutlich akzentuierte Periode ein. 1950 betrug der Mit- gliederstand 345 Erwachsene und 228 Schüler. Die Hauptversammlung am 29. 5. 1957 konnte schon 407 Erwachsene und 542 Schüler melden. 1966 war der bisherige Höchststand mit rund 610 erwachsenen Mitgliedern und 450 Schülern im Jugendkon- zertring erreicht.
Die bewährte Zahl von 6 Konzerten in jeder Saison wurde beibehalten. Der Anteil der Liederabende, die zudem meist im Windschatten der Münchner Staatsoper gestanden hatten, schrumpfte auf ein gesundes Maß zusammen. Verfolgt man die Programme über mehrere Jahre, werden die Straffung und Ausgewogenheit des Angebots spürbar. Durch die Verpflichtung großer Orchester erfuhr das Programm auch eine beträchtliche Er- weiterung. Die wachsende Mitgliederzahl machte wieder die Saalfrage zu einem Problem. Man begann 1950 in der EAW-Halle. Später siedelte der Verein in den großen Saal des Herzogsschlosses über, fand 1953 im Schäffbräukellersaal eine Heimstatt und konnte Anfang 1966 zum erstenmal Konzerte im Festsaal des neuen Stadttheaters abhalten. Die Münchner Philharmoniker waren nun häufiger zu Gast, einmal unter Adolf Mennerich und fünfmal unter Fritz Rieger.
1954 kam Eugen Jochum mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nach Ingolstadt, 1955 Lovro v. Matacic und 1966 Heinz Wallberg mit den Bamberger Symphonikern. 1957 dirigierte Matacic das Bayerische Staatsorchester „Musikalische Akademie", 1963 Rudolf Kloiber die Stuttgarter Philharmoniker und Richard Kraus 1967 die Nordwestdeutsche Philharmonie. Sogar die Prager Philharmoniker unter Karel Ancerl und die Philharmonia Hungarica unter Miltiades Caridis waren zu hören.
Der Kammermusik widmeten sich hervorragende Quartett-Vereinigungen in zahlreichen Konzerten. Hatte der Verein vor 1938 im Wendling-Quartett ein „Hausquartett", so spielte seit 1950 das Münchener Koeckert-Quartett eine ähnliche Rolle. Sechsmal war es bis jetzt beim Konzertverein zu Gast. Dreimal gastierte das Prager Streich- quartett, zweimal das Stroß-Quartett. Außerdem hatten die Musikfreunde Gelegenheit, das Loewenguth-Quartett, das Juil- liard-String-Quartett, das Qua- rtetto di Roma, das Moskauer Borodin-Quartett, das Smeta- na-Quartett und das Seitz-Quartett kennenzulernen.
Nicht unbekannt blieben auch das Pasquier-Trio, das Trio di Trieste, das Ebert-Trio und die jugendlichen Künstler des Wiener Trios.

Die große Linie der Klavier- abende, die früher mit Ansorge, Gieseking, Serkin und Lamond Höhepunkte erreicht hatte, fand ihre Fortsetzung mit Erik Then Bergh, Monique de la Bruchollerie, Rosl Schmid, Monique Haas, Ornella Santoliquido, Julius Katchen und Martha Argerich. Seit der Wiedergründung 1950 gast- ierte auch eine Elite der Cellisten (Enrico Mainardi, Ludwig Hoelscher, Pierre Fournier und Massimo Amfitheatrof) und Geiger (Gerhard Seitz, Arthur Grumiaux, Tibor Varga, Ricardo Odnoposoff, Lola Bobesco und Shmuel Ashkenasi).
Ein breites Spektrum der entsprechenden Musiklite- ratur erschlossen die stets beliebten Kammerorchester- abende. Sie wurden von bedeutenden Kammermu- sikvereinigungen aus Rom, Paris, Prag, Wien, Zürich und Stuttgart bestritten.
Auch die Liederabende fanden nach 1950 eine entsprechende Pflege von hoher Qualität. Viele berühmte Namen begegnen uns in den Programmen: Anneliese Kupper, Julius Patzak, Hans Hotter, Helmut Krebs, Ernst Haefliger, Hertha Töpper, Marianne Schech, Elisabeth Grümmer, Maria Stader, Lucretia West und Rita Streich. Unvergesslich bleiben wohl Benjamin Britten und Peter Pears. Peter Pears auch mit Julian Bream und in Brittens Serenade für Tenor, Hörn und Streichorchester mit dem Londoner Kammer- orchester unter Efrem Kurtz, bei den Festwochen anlässlich der Theatereinweihung.
Der Konzertverein machte es sich auch zum Grundsatz, neben der klassischen und romantischen Musik vor allem auch der zeitgenössischen Musik einen entsprechenden Platz einzuräumen. Mit wie viel Geschick und Beharr- lichkeit eine wesentliche Erweiterung des Angebots seit 1950 verwirklicht wurde, kann man rückschauend aus den Programmen ablesen, in denen man immer wieder auf Namen wie Britten, Prokofieff und Schostakowitsch, Bartók und Janácek, Francaix, Poulenc und Hindemith stößt. Jedoch können nachträgliche Aufzählungen die spezifische Atmosphäre eines Konzert- abends nie einfangen, die das unmittelbare Erleben vom Abhören einer noch so makellosen Konserve abhebt. Die Abonnenten wissen die Leistung des Konzertvereins längst zu schätzen. Sie erscheint um so eindrucks- voller, wenn man die lange Zeit seiner Tätigkeit in Betracht zieht; sie ist imponierend, gleichviel, ob man die Kontinuität oder die Qualität zum Maßstab nimmt.