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Vorläufiges Ende 1928 bis 1938

Die Saalfrage führt zur Krise
In eine ernste Krise geriet der Konzertverein 1928. Seine Planung hing vom Saal des Offizierskasinos als Konzertsaal ab, den die Militärverwaltung bisher stets bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte. 1928 nun wurde die Saalbenützung verweigert. Noch im November warteten die zunächst ver- trösteten Vereinsmitglieder vergebens auf einen positiven Bescheid. Schließlich schaltete man den Reichstagsabgeord- neten M. Loibl von Neuburg ein, das Entgegenkommen des Ingolstädter Festungskomman- danten Höfl ermöglichte beim Reichswehrministerium unter gewissen Bedingungen endlich die Freigabe des Saales für „Sesselkonzerte". Am 11. April 1929 konnte die Öffentlichkeit durch die Presse von der glücklichen Wende unterrichtet werden. Die Konzertsaison 1928/29 war nicht mehr zu retten.
Bis zum vorläufigen Ende
Das Wirken des Vereins zwischen 1929 und 1938 verlief in festgefügtem Rahmen: sechs Konzerte pro Saison. Die Liederabende behielten wohl aus praktischen Erwägungen weiter- hin das Übergewicht. Es kam zu einer Begegnung mit Julius Patzak, Karl Erb, Georg Hann und anderen; von den Sängerinnen seien Luise Willer, Anny von Kruyswik und Elisabeth Feuge erwähnt.
Eine persönliche Note zeichnete den Liederabend vom 13. 11. 1934 aus. Der Gründer des Konzertvereins Sanitätsrat Dr. Ludwig Liebl, beging seinen 60. Geburtstag. Auf dem Programm des Abends, zu dem auch Regers Witwe erschienen war, standen Lieder von Max Reger und Ludwig Liebl. - Spiegelbild der Bindung zwischen Liebl und Reger.


Die Vorträge wurden im Winter 1929/30 eingestellt. Häufige Orchesterkonzerte konnte sich der Verein noch immer nicht leisten. Mit Begeisterung wurde deshalb die Ankündigung des Fest- konzertes zum 15jährigen Bestehen aufgenommen: Am 13. 4. 1932 sollten die Münchner Philharmoniker eingeladen werden. Die Realisierung dieses Vorha- bens gelang durch die Schaffung eines Garantie- fonds, für den die Musik- freunde tatsächlich in ausreichendem Maße zeich- neten. Der Jubel am Fest- abend war groß. Die Münchner Philharmoniker spielten unter Siegmund von Hausegger die Fünften Symphonien von Beethoven und von Bruckner. Doch auch in der Reihe der Solisten- und Kammerkonzerte fehlte es nicht an bedeutenden Ereignissen, wie zum Beispiel der Sonatenabend mit Adolf Busch und Rudolf Serkin. Ein weiterer Höhepunkt: Frederic Lamond spielte am 26. 10. 1936 Werke von Beethoven, und Rosl Schmid gab zwei Klavierabende. Ihr Konzert am 29. 4. 1938 wurde zum vorläufigen Abschluss. Seit Jahren war die Mitgliederzahl geschwunden, und 1938 schließlich unterschritt sie die Grenze, die als finanzielle Garantie für eine kon- tinuierliche Arbeit unerlässlich war. Nach 21 Jahren musste der Konzertverein seine Tätigkeit einstellen. In einer Zeit größter Belastung war man 1917 an den Aufbau gegangen, die Jahre wirtschaftlichen Wohlstands und staatlicher Kultur- propaganda brachten das Ende.